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Gefühlschaos nach Emotionstief

Nikolo und Engelchen gibts nicht und auch kein allumfassendes Weihnachtsglück

Die Adventszeit war anstrengend und der Partner keine Hilfe, zu Weihnachten hat man sich wegen der Kinder noch zusammengerissen, doch während der Feiertage wechselten Streit und Tränen mit angespanntem Schweigen. Zu Silvester hat man den Partner angeschaut und sich gefragt: "Will ich das noch?" Und sich selbst die Antwort gegeben: "Nein." 2015 betrug die Gesamtscheidungsrate 41,6 Prozent. Bei gleichbleibendem Scheidungsverhalten werden also vier von zehn in diesem Jahr geschlossene Ehen geschieden werden. Jetzt, zu Jahresbeginn, überlegen besonders viele Paare, sich scheiden zu lassen.

Warum sind so viele Partner frustriert?

"Zum einen ist Weihnachten eine sehr emotionale Zeit. Es wird viel gestritten, auch weil man mehr Zeit miteinander verbringt als sonst, ähnlich wie im Sommerurlaub", sagt Anwältin Maria In der Maur-Koenne, in deren Kanzlei im Jänner auffallend viele Menschen aus diesem Grund anrufen. "Zum anderen denkt man zum Jahreswechsel über das eigene Leben nach und fragt sich, ob man so weitermachen will oder ob sich etwas ändern muss."








Natürlich lässt sich aber niemand nur wegen verpatzter Weihnachten scheiden. Die Feiertage sind nur der Anlass, nicht die Ursache, sagt die Paarpsychologin Karin Balluch: "Ob es zu Konflikten kommt oder nicht, hängt auch daran, wie das Paar das Jahr und vor allem den Advent erlebt hat." Nach der "stressigen Vorweihnachtszeit liegen bei vielen Menschen die Nerven blank. Bei einer nicht mehr gut funktionierenden Beziehung sind dann nur Kleinigkeiten nötig und es entflammt neuerlich ein Konflikt, sodass die Beziehung aus dem Lot gerät."

Tipps, wie man mit dem Frust umgeht.

Nicht jeder, der einen Termin beim Anwalt vereinbart, trennt sich tatsächlich, sagt In der Maur-Koenne. "Manche wollen sich nur erkundigen, was eine Scheidung für sie bedeuten würde: Was hieße das finanziell für sie selbst und ihre Kinder, wie viel Kindesunterhalt müssten sie bezahlen oder würden sie bekommen, wo würden sie wohnen? Aber nicht alle ziehen es durch." Manche informieren sich zum ersten Mal, andere hatten bereits ein erstes Beratungsgespräch. Ist jemand jedoch fest entschlossen, seine Ehe zu beenden, empfiehlt die Scheidungsexpertin ein Erstgespräch beim Anwalt, da überstürzte emotionale Entscheidungen oft unangenehme rechtliche Konsequenzen haben können.

"Eine Trennung sollte man in Erwägung ziehen, wenn man bereits über einen längeren Zeitraum massiv unter der angespannten Situation leidet oder die Kinder davon mitbetroffen sind. Wenn sich die Gedanken nur mehr um die Beziehung drehen oder man sich beispielsweise gar nicht mehr auf die Arbeit konzentrieren kann", sagt Psychologin Balluch. "Wenn aber beide Partner den Wunsch haben, wieder zusammenzufinden, dann funktioniert das meistens auch." Dazu ist es nötig, ehrlich miteinander zu sein und nichts zu beschönigen. Wer als Paar allein nicht mehr weiterkommt, kann professionelle Hilfe suchen.

Um gar nicht in die Situation zu kommen, im Jänner über eine Scheidung nachzudenken, sollte man die Beziehung das ganze Jahr über pflegen. "Dazu gehört es, aufmerksam zu sein, sowohl gemeinsam etwas zu unternehmen als auch dem Partner Zeit für sich allein zu gönnen, etwa für ein Hobby oder Freunde", rät Balluch. Wichtig ist es auch, eine Konfliktkultur zu entwickeln. Themen, die häufig zu Streit führen, sollten aktiv aufgearbeitet werden, damit sich kein Groll aufstauen kann.

Und sowohl für die Feiertage als auch für den Sommerurlaub gilt: relaxen. Je genauer die Vorstellungen sind, die sich jemand von dieser Zeit macht, desto härter trifft es ihn, wenn sie nicht funktionieren. Wenn Paare Weihnachten oder die Ferien entspannt angehen, dann steigt ihre Chance auf eine schöne gemeinsame Zeit.

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