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Scheidungskind – was ist das?

Schatten an der Wand. Gitti Moser by pixelio.de

Sie möchten wissen, wie sich das anfühlt – ein Scheidungskind zu sein?

Schwer zu beschreiben

Ich bin ein Scheidungskind. Ein erwachsenes mittlerweile – ich gehe auf die 40 zu. Jetzt habe ich selbst Familie: einen Mann und drei Töchter.
Es ist schwer zu beschreiben, denn wie beschreibt man eine Verletzung, von der man sich lange Zeit gar nicht bewusst war, dass man sie hat?
Ich habe meinen Vater nie vermisst – habe ich immer geglaubt. Warum auch? Schließlich war er auch vorher nie für mich da. Ich kann mich eigentlich nur an ein paar Wanderungen erinnern, die er mit uns – mit meiner Mutter und mir - unternommen hat, das war´s dann aber auch schon. Er war nie greifbar, spielte eigentlich keine Rolle in meinem Leben.

Die Mutter, der Dreh- und Angelpunkt

Die Hauptrolle hatte schon vor der Scheidung meine Mutter übernommen: Sie organisierte alles, war immer da, fuhr mit mir auf Urlaub, verwöhnte mich aus Leibeskräften. So hatte ich nie den Eindruck, dass mir etwas abging – und das, obwohl sie Alleinerzieherin mit nur einem (mittelmäßig guten) Einkommen war.

Frau auf der Treppe
copyright: Biggi by pixelio.de

Erst viel später erkannte ich, wie ähnlich ich meinem Vater bin. Mittlerweile kenne ich diese Seite von mir ganz genau und vielleicht könnte ich besser mit ihr umgehen, wenn ich meinen Vater schon als Kind besser kennen gelernt hätte.

Meine Eltern haben sich scheiden lassen, als ich dreizehn Jahre alt war. Die Scheidung selbst ist für mich in der Erinnerung auf einen einzigen Tag zusammengeschmolzen – jenem Tag, als wir nachhause kamen und mein Vater bereits seine Koffer gepackt hatte. Sie standen dunkel und unheilvoll in unserem Gang und harrten dort der Dinge, die passieren würden. Letztendlich ist nichts passiert: Meine Mutter wusste es innerlich längst und hat ihn gehen lassen – Reisende soll man nicht halten. Er zog bei uns aus und bei einer anderen Frau ein.

Glück gebracht hat es ihm keins, dafür wieder Streit und Vorwürfe, enttäuschte Hoffnungen, eine Abtreibung (vielleicht der Sohn, den er nie hatte?) und neuerliche Einsamkeit.

Was habe ich daraus gelernt?

Mein Vater hat aus seinen Fehler nie gelernt. Ich hoffe, es besser zu machen. Ich möchte meinen Kindern ein intaktes Familienleben bieten. Ich möchte Ihnen zeigen, wie eine Mann-Frau-Beziehung im Alltag funktionieren kann und ihnen die Chance geben, ihren Vater kennen zu lernen – mit all seinen Stärken und Schwächen. Denn was ist Ehe letztendlich anderes als sich tagtäglich aufs Neue zusammen zu streiten?