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Ein ständiger Engpass: Platznot in den Frauenhäusern

„In ganz Niederösterreich sind die Zufluchtsstätten für Frauen in Not ausgelastet.“ Diese Meldung ließ Anfang des Jahres aufhorchen. Was treibt Frauen aus dem gemeinsamen Haushalt und warum gibt es in unserer Gesellschaft so wenig Zufluchtsort?

Die Adressen stehen aus gutem Grund nicht im Telefonbuch. Anonymität und Abschottung sind oberstes Gebot. Die fünf Frauenhäuser in Niederösterreich waren auch zum Jahreswechsel 2006 mit einem bedenklichen, gesellschaftlichen Phänomen konfrontiert: die Zahl Zuflucht suchender steigt unverhältnismäßig.
„Es gehört sich speziell im ländlichen Raum nicht, dass eine Frau zu Weihnachten davonläuft,“ so die Leiterin des Frauenhauses Neunkirchen. In der Vorweihnachtszeit versuchen die Frauen schon wegen der Kinder alles noch irgendwie zusammenzuhalten und auch den äußeren Schein zu waren.
Die Beziehungskonflikte quer durch alle sozialen Schichten würden sich meist schon am Heiligen Abend zuspitzen und zwischen Weihnachten uns Silvester endgültig eskalieren. Dann tritt nämlich beiden Frauen das Gefühl ein, dass sie ihre Pflicht erfüllt haben und sie wagen es, auszubrechen.

Auch im ältesten Frauenhaus Niederösterreichs in Mödling waren alle Plätze belegt. „Das beginnt an Nikolo. In dieser Zeit fangen finanzielle Probleme an, weil Geschenke und Jahresrechnungen wie Strom und Gas bezahlt werden müssen. Außerdem sind die Kinder zu Hause. Es kommt einfach viel zusammen.“ „Der Auslöser für die Flucht ins Frauenhaus ist fast immer Gewalt,“ so eine Betreuerin „aber das müssen nicht immer Schläge sein. Und nicht jede Frau macht wirklich einen Neubeginn, wenn plötzlich Versprechen oder Geschenke kommen, die man seit zehn Jahren nicht mehr erhalten hat.“

Eine Zuflucht für Frauen und Kinder

Von Gewalt betroffene Frauen sehen oft keinen anderen Ausweg, als die gemeinsame Wohnung und damit den gewalttätigen Ehemann zu verlassen
Die Entscheidung in ein Frauenhaus zu gehen bedeutet nicht nur ein hinter sich lassen der vertrauten Umgebung, sondern auch eine Vielzahl an sozialen und wirtschaftlichen Herausforderungen, wie Geldnot oder Schulwechsel. Oft kommen Frauen mit nichts an, außer dem, was sie am Körper tragen. Eine echte Krisensituation, in der die Betreuerinnen in den Frauenhäusern zunächst einmal stabilisierend einwirken. Das bedeutet Hinwendung, ein offenes Ohr aber vor allem Geborgenheit zu geben. Der Aufenthalt wird generell als Erleichterung und die Gemeinschaft der Leidensgenossinnen, die ja ähnliches erlebt haben, als enorme Stütze empfunden. Man kocht, wäscht und putzt gemeinsam und versorgt den Nachwuchs. Fast wie daheim, nur eben ohne Angst.

Wer trägt die Kosten?

Einen Monat lang kommt das Land zur Gänze für die Grundversorgung und die Miete der entwurzelten Familienmitglieder auf. Nach Ablauf dieser Freist unterstützen die psychologisch geschulten Mitarbeiterinnen der Frauenhäuser beim Existenzaufbau und gewähren rechtliche wie menschliche Hilfestellung etwa beim Gang zum Scheidungsrichter.

Grundsätzlich ist der Aufenthalt in den im Jahre 1991 gegründeten Institutionen des Trägervereins Kolping Österreich sowie der Katholischen Frauenbewegung aber nicht zeitlich limitiert.

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