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Grundsatzthema: Versicherung

Hauseingang der vvo, Wien

Grundsätzlich ist für den passenden Versicherungsschutz wichtig, dass frau sich Gedanken macht, in welcher Lebenssituation sie steckt, wie viel Geld monatlich zur Verfügung steht, ...

wer möglicherweise sonst noch finanziell abgesichert werden sollte und dass sie sich - nach Sammlung dieser Fakten - ausführlich beraten lässt

Es gibt leider nicht die eine, für alle passende Standardabsicherung. Ein guter Versicherungsschutz ist sehr individuell und sollte für die jeweilige Person maßgeschneidert sein. Das Um und Auf in allen finanziellen Angelegenheiten ist sicher, sich ausführlich beraten zu lassen und viele - auch vermeintlich dumme - Fragen zu stellen. Frauen sind oft zu schüchtern, um zu sagen, wenn sie etwas nicht verstehen. Ein kompetenter Berater oder eine kompetente Beraterin nehmen sich aber Zeit und erklären gerne Vor- und Nachteile von Finanzprodukten.
Es gibt außerdem jede Menge Möglichkeiten, sich im Internet schon vorab zu informieren, welche Arten der Finanzdienstleistungen es gibt und wer sie anbietet. Etwa auf den Websites der Versicherungsunternehmen oder auf der Homepage des Versicherungsverbandes oder auch bei Konsumentenschutzinstitutionen oder der Versicherungsaufsicht FMA.

Der Versicherungsleitfaden

Der VVO hat im letzten Herbst auch eine Broschüre herausgebracht, die alle wichtigen Versicherungen in einfachen Worten erklärt. Sie nennt sich "Versicherunsleitfaden" und kann im Internet gratis bestellt werden (http://www.vvo.at/publikationen/index.php).

Die Empfehlung der Expertin Daniela Ebeert:

"Ich würde aber jeder/jedem empfehlen, über folgende Versicherungsprodukte zumindest einmal nachzudenken und dann zu entscheiden, was für die eigene Lebenssituation sinnvoll wäre. Im Großen und Ganzen kann man das von mehreren Seiten angehen:
1. persönliche Altersvorsorge (Lebensversicherung, Berufsunfähigkeitsversicherung)
2. persönliche Gesundheitsvorsorge (Unfall-, Kranken- und Pflegeversicherung)
3. Sachversicherungen (z.B. Haushaltsversicherung, Kfz-Kaskoversicherung, Rechtsschutzversicherung..)"

Die Altersversorgung

aAlle Umfragen zeigen, dass wir ÖsterreicherInnen sehr auf Sicherheit setzen - und ganz besonders in finanziellen Belangen. Eine der besten Möglichkeiten, sicher und gezielt vorzusorgen, ist eine Lebensversicherung. Die Lebensversicherung ist eine finanzielle Vorsorgemöglichkeit, die es in diversen Varianten gibt. So sollte sie z.B. einen Ablebensschutz beinhalten, wenn Hinterbliebene zu versorgen sind - das ist im Falle von Kindern sehr anzuraten. Als "fondsgebundene" kann die Lebensversicherung von den positiven Entwicklungen der Aktienmärkte profitieren, oder als "prämiengeförderte Zukunftsvorsorge" sogar mit Zusatz-Prämie vom Finanzminister ausgestattet sein.
Mit guter Beratung kann für jeden ein maßgeschneidertes Produkt gefunden werden, wobei je nach individueller Versorgungssituation viele Zusätze oder Spielarten in der Lebensversicherung vereinbart werden können. So ist zum Beispiel der Pflegebedarf im Alter (nicht nur für Singles oder Kinderlose, auch Menschen mit Kindern wollen im Alter den Kindern nicht als Pflegefall finanziell zur Last fallen), zu bedenken oder die Möglichkeit einer Invalidität (dafür gibt es die Berufsunfähigkeitsversicherung, weiters kann ein zusätzlicher Schutz für Unfallinvalidität ratsam sein).

Es gibt auch für jedes Lebensalter passende Varianten: Während junge Menschen noch mehr Zeit zum Ansparen haben und daher auch auf etwas volatilere (sprich: riskantere) Produkte setzen können, stehen bei etwas älteren Personen Sicherheit und garantierte Leistungen nach Ende der Ansparphase im Vordergrund. Für eine sichere Altersvorsorge wäre aber ein Mix aus sicheren Garantieprodukten und etwas volatileren Produkten ohne Kapitalgarantien mit möglicherweise höheren Erträgen (aber auch der Gefahr eines Verlustes von Kapital) ideal.

Die Lebensversicherung

Die Lebensversicherung ist ein relativ flexibles Produkt - da sich gerade die Lebensläufe von Frauen oftmals von denen der Männer unterscheiden, z.B. durch Unterbrechungen der Berufstätigkeit wegen Schwangerschaft/Karenz etc. bietet die Lebensversicherung auch die Möglichkeit, mit den Prämienzahlungen flexibel aussetzen zu können.

Eine klassische Lebensversicherung zur Grundabsicherung ist aber jedenfalls eine gute Wahl. Denn eines ist sicher: Kein anderes Vorsorgeprodukt bietet soviel Sicherheit bei gleichzeitig gutem Ertrag. Kein alternatives Sparprodukt kann mit den oft bis zu 40 Jahren andauernden Garantien der Lebensversicherer mitziehen.

Die Berufsunfähigkeitsversicherung

Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist in Österreich noch nicht so weit verbreitet, weil die meisten von uns doch Bürojobs haben und meinen, da könne nicht viel passieren. Das ist leider ein großer Irrtum.
Die Berufsunfähigkeitsversicherung kann als eigenständige Berufsunfähigkeitsversicherung oder auch als Zusatz zur Lebensversicherung (Pensionsversicherung) abgeschlossen werden und dient der Absicherung des Lebensstandards im Fall einer andauernden Berufsunfähigkeit. Jährlich werden bis zu 34.000 ÖsterreicherInnen vom Arzt für berufsunfähig erklärt, Ende 2003 gab es laut Statistik Austria fast 400.000 Berufsunfähigkeits-PensionistInnen. Die Tendenz ist trotz strengerer Bewertungen der Sozialversicherungsträger steigend.
Oft wird die Tragweite eines solchen Schicksalsschlages aber unterschätzt - die gesetzliche Absicherung im Fall von Berufsunfähigkeit greift zwar grundsätzlich, aber in den meisten Fällen viel zu kurz, so dass der gewohnte Lebensstandard nicht aufrecht erhalten und etwaigen finanziellen Verpflichtungen nicht nachgekommen werden kann. Der finanzielle Ruin und soziale Abstieg können die Folge sein.

Der Grund für die Berufsunfähigkeit liegt in den meisten Fällen nicht - wie vielleicht erwartet - bei Unfällen (einstelliger Prozentbereich) sondern meist bei Erkrankungen des Bewegungs- und Stützapparates. Auch psychische Erkrankungen und Kreislaufprobleme sind häufige Ursachen.
Abgrenzung zur Unfallversicherung: Die Unfallversicherung leistet bei Invalidität nach einem Unfall, unabhängig davon, ob man durch die Verletzung berufsunfähig wird.

Die Gesundheitsvorsorge

Die private Krankenversicherung schließt frau/man komplementär zur gesetzlichen Krankenversicherung ab. Das österreichische Gesundheitssystem ist eines der besten und kostengünstigsten der Welt. Trotz einer guten Absicherung über die gesetzliche Sozialversicherung, gibt es auch im Gesundheitssystem Bereiche, die private Anbieter besser als der Staat abdecken können. Abhängig vom jeweilig vereinbarten Tarif bringt die private Krankenversicherung dann z.B. Leistungen wie Übernahme der Kosten für den Wahlarzt oder Privatarzt, für Medikamente und Heilbehelfe, für die Kosten des Krankenhausaufenthaltes, für Kuren, Reha oder Vorsorgeuntersuchungen, für Zahnbehandlungen und Zahnersatz, oder auch Zahlung des Spital-Taggeldes.

Für werdende Mütter gibt es die Möglichkeit, für die Zeit der Schwangerschaft und einen begrenzten Zeitraum danach, sich selbst und das Baby gleich mit zu versichern. Sonst gilt die Krankenversicherung als rein persönliche Versicherung, die nur die in der Polizze genannte Person versichert. Für Kinder schließt man also eigene Krankenversicherungen ab.
Die Vorteile liegen auf der Hand: frau/man kann sich z.B. alternativmedizinische Medikamente leisten, die die gesetzliche Krankenversicherung nicht bezahlt, frau/man liegt bei einem Spitalsaufenthalt in der Sonderklasse (Einzel oder Zweibettzimmer), kann in der Regel auch selbst entscheiden, welches Spital und welcher Arzt aufgesucht wird. Da nicht alle Spitäler Österreichs Vertragspartner der österr. Krankenversicherer sind, sollte man im Zweifelsfall aber mit der Versicherung klären, ob für das Wunsch-Spital Kostenübernahme besteht.
Frauen sind mit ihrer Gesundheit und der Wahl ihrer Ärzte noch wesentlich vorsichtiger als Männer und profitieren von diesen Angeboten besonders.

Sachversicherungen

Hier ist sicher zuerst einmal eine Haushaltsversicherung unverzichtbar. Sie deckt als "Bündelversicherung" eine ganze Reihe von alltäglichen Risiken wie Feuer-, Sturm- oder Leitungswasserschäden, Glasbruch oder Einbruchdiebstahl etc. ab und inkludiert meist auch eine private Haftpflichtversicherung. Werden nämlich an die/den Versicherten (und seine im gleichen Haushalt lebenden Kinder und den/die Lebensgefährten/in) Schadenersatzansprüche aus Personen- oder Sachschäden gestellt, übernimmt die Versicherung zuerst einmal die Prüfung der Sach- und Rechtslage. Darüber hinaus werden im Rahmen der Versicherungssumme gerechtfertigte Ansprüche befriedigt oder ungerechtfertigte Ansprüche abgewehrt.

Für Hausbesitzer gibt es auch eine Gebäudeversicherung, die ebenfalls als "Bündelversicherung" eine ganze Reihe von Gefahren abdeckt, die das Haus in seinen "Grundfesten" (nicht den beweglichen Wohnungsinhalt, der muss immer über die separate Haushalsversicherung abgedeckt werden) betrifft.

Beide Versicherungen sind nicht verpflichtend, darauf zu verzichten lohnt sich aber sicher nicht. Schäden, die durch Brand, Stürme oder z.B. Rohrbrüche verursacht werden kosten meist ein Vielfaches der jährlichen

Die Versicherungsprämien

Durchaus sinnvoll sind auch Rechtsschutzversicherungen, die ermöglichen, Ansprüche notfalls auch vor Gericht auszufechten. Es gibt sie in vielen Formen z.B. als Privatrechtsschutz, Erb- und Familienrechtsschutz, allgemeinen Vertragsrechtsschutz, Fahrzeug- und Lenkerrechtsschutz etc...
Beratung ist auch hier weder ganz wichtig!

Das Risiko "Scheidung" wird im Normalfall (Ausnahme sind einzelne, sehr individuelle Verträge) nicht versichert. Das ist seitens der Versicherungsunternehmen aber auch verständlich, wenn man bedenkt, dass das scheidungswillige Ehepaar den Umstand selbst herbeiführt und es immer darum gehen müsste, zu beweisen, dass bei der Scheidung kein Vorsatz und keine Bereicherungsabsicht bestand.

"Frauentarife" - ein etwas komplexes Thema

Am 4. Oktober 2004 haben sich die EU-Arbeits- und Sozialminister auf einen Gleichbehandlungs-Richtlinienvorschlag geeinigt. Die EU-Richtlinie 2004/113/EG, die die Verwirklichung des Gleichbehandlungsgrundsatzes zwischen Männern und Frauen "beim Zugang zu und bei der Versorgung mit Gütern und Dienstleistungen" verlangt, muss auch von Österreichs Versicherungen bis zum 21. 12. 2007 umgesetzt sein. Es darf aber weiterhin geschlechtsspezifisch tarifiert werden, wenn versicherungsmathematische oder statistische Grundlagen es rechtfertigen. Mutterschaft und Schwangerschaft sind davon explizit ausgenommen und dürfen keinesfalls als Tarifierungskriterium herangezogen werden - es gilt aber eine zusätzliche Übergangsfrist von zwei Jahren.
Wenn also Unterschiede zwischen Männern und Frauen bestehen, die für das Risiko und damit auch für die Versicherungsleistung eine Rolle spielen, kann das Unisex-Prinzip ausgeklammert werden.

Bisher gibt es "Ladyrabatte" in der Kfz-Versicherung - Frauen haben hier meist günstigere Prämien und in der Lebens- und Krankenversicherung. Durch die Gleichbehandlungsrichtlinie könnte sich aber hier was ändern.
In der Lebensversicherung gab es immer schon unterschiedliche Tarife für Männer und Frauen, weil die Lebenserwartungen sehr unterschiedlich sind. Frauen, die länger leben und länger Renten beziehen, zahlen auch etwas höhere Prämien als Männer, die eine geringere Lebenserwartung haben.
Nach der Gleichbehandlingsrichtlinie wird in Zukunft die Krankenversicherung für Frauen günstiger, weil sich Männer und Frauen das Schwangerschaftsrisiko kostenmäßig nun teilen müssen.

Was die KFZ-Versicherung betrifft:

Das Fahrzeug, das auf den Mann zugelassen war, muss abgemeldet und auf die Frau neu angemeldet werden - sie braucht also jedenfalls einen neuen Kfz-Vertrag. Die Bonus-Stufe könnte sie nur dann übernehmen, wenn der Mann mindestens ein Jahr lang selbst kein Ersatzfahrzeug anschafft.

Mag. Daniela Ebeert
VVO Versicherungsverband Österreich
Leitung Kommunikation&PR
Schwarzenbergplatz 7
1030 Wien
Tel: +43 1 711 56 261
Email: ebeert@vvo.at

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