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Interview: Lügen und Alkohol haben alles zerstört

nicht nur fische saufen ab

Petra, 37 ging durch die Hölle bis sie nach 13,5 Jahren Ehe den Entschluss fasste: Jetzt ist Schluß! Sie packte ihre beiden Mädchen und zog aus.

Woran haben Sie gemerkt, dass es zu ende ist?

Mein Mann hat große Alkoholprobleme. Er hat für seine Sucht die Familie in den Ruin getrieben und mich darüber im Unklaren gelassen. Als es tagein, tagaus nur noch Streitereien gab und sich auch die physischen Übergriffe häuften, verliess ich ihn.

Was war besonders schlimm?

Furchtbar war der Tag an dem er in der Firma anrief und sagte, er hätte die Kinder erschossen. Das hat er zwar gott sei dank nicht, aber es war der pure Horror und die Kinder waren total verstört. Meine 12 jährige Tochter hat alles mitgekriegt und gemeint: "Der Papa hat eh keine Pistole." Schlimm war für mich, dass die beiden Mädchen miterlebten, wie ihr Vater verhaftet wurde. Und da das Drangsalieren bis heute anhält wissen sogar die Nachbarn bescheid.

Wie leben Sie heute damit?

Ich kann nur sagen, dass der Zustand anhält. Wir haben andauernd Kontakt zu Gericht und Jugendamt. Das Alleingelassensein ist schlimm. Als ich bei der Polizei wegen einer Stalkinganzeige vorsprach, fühlte ich mich wie die Verbrecherin. Und es ist noch kein Ende in Sicht.

Was haben Sie für die Kinder gemacht?

Ich habe die Beiden mit meiner Mutter in der heißen Phase in die Steiermark geschickt. Ich wollte den beiden normale Tage gönnen. Wenn wir zusammen waren, habe ich ihnen immer wieder erklärt, dass sie überhaupt keine Schuld träfe. Meine Töchter sind 6 und 12, deshalb habe ich versucht, den Umgang mit ihren gleichaltrigen Freundinnen zu intensivieren, damit sie dort Gesprächspartner haben. Meiner Großen habe ich die Stunden beim Schulpsychologen ermöglicht.

Was würden Sie heute anders machen?

Ich habe ihm totz allem vollkommen vertraut. In Bezug auf das Geld war das ein großer Fehler. Heute würde mir das nicht mehr passieren. Für meine Mädchen würde ich heute meine eigenen Emotionen noch wesentlich mehr zurückschrauben und meinen Exmann nur noch auf der Elternebene sehen.

Welchen Rat geben Sie anderen Frauen?

Reden, reden, reden, man darf sich nie entmutigen lassen. Zuallererst muss zu sich selbst stehen. Ich finde es auch ganz wichtig sich bei allen möglichen Institutionen zu erkundigen, was genau im Falle einer Scheidung abläuft, welche Rechte man hat (rechtlich und finanziell) und sich nach Förderungen zu erkundigen. Ganz wichtig ist es auch, sich selbst immer wieder eine Auszeit zu gönnen. Da kann man wieder zur Ruhe kommen und sich auf die eigene Person konzentrieren. Mir hat auch geholfen, dass ich ein Frauennetzwerk aufbauen konnte und im Internet in einigen Foren aktiv wurde.