Suche
 
 

Wozu Mediation in Trennungsfällen?

timeless by pixelio.de

Viele Betroffene wissen nicht, was genau Mediation ist. Und noch mehr ahnen nicht einmal, wie sinnvoll sie in einer Trennung sein kann.

Wozu Mediation, wenn „nur“ eine Trennung, keine Scheidung ins Haus steht?

Karin ließ sich vor 10 Jahren scheiden (1 Sohn). Seit 8 Jahren lebt sie mit einem Mann zusammen, dessen Kinder ihm nach der Scheidung zugesprochen wurden (2 Söhne). Nun passt die Beziehung nicht mehr, der Mann zieht aus dem von Karin gemieteten Haus aus. Übrig bleiben nicht nur emotionaler Scherbenhaufen, sondern auch viele organisatorische und finanzielle Fragen und Notwendigkeiten.

Die Hintergründe

Ziffernmäßig zeigt sich folgendes Bild: im Jahr 2006 wurde in Österreich fast die Hälfte aller geschlossenen Ehen – mehr als 20.000 Ehen - rechtskräftig geschieden. Fast ein Drittel der Scheidungen erfolgte in den ersten fünf Ehejahren (32,4%), weitere 57,8% nach fünf bis unter 25 Jahren –bei zahlreichen Ehescheidungen sind Kinder involviert (im Jahr 2006 waren es über 15.000 Kinder unter 18 Jahre) – viele dieser Kinder finden sich später wieder in Patchwork-Partnerschaften wieder.
Bei bevorstehenden Scheidungsprozessen werden immer öfter MediatorInnen zu Hilfe gerufen und Vereinbarungen ausgearbeitet, die dann als Grundlage für die Scheidungsverhandlung dienen. Das Scheidungsverfahren läuft dann zügig und unkompliziert ab – die wichtigen Themen wurden im Rahmen der Mediationssitzungen begleitet besprochen und Lösungen gefunden.

Trennen nicht scheiden

Wie viele Trennungen es gibt, wird statistisch nicht erhoben. Auch wenn man sich „nur“ trennt, kann man mit Hilfe von Mediation Lösungen finden, die das Trennen (besonders in Patchwork-Partnerschaften) für alle Beteiligten angenehmer über die Bühne gehen lässt. Es ist zwar hier meist nicht zu klären, wer unterhaltsberechtigt bzw. -pflichtig ist, oder wer die Wohnung behält, wenn nur einer beim anderen vorübergehend eingezogen ist. Was aber, wenn die Wohnung jahrelang mitbewohnt wurde und daher entsprechend abgenutzt ist? Welche finanzielle Abgeltung für die jahrelange Mitbenutzung der Wohnung, der Einrichtungsgegenstände, Strom, Gas, etc. soll es geben? Oder wenn die Wohnung sogar gerade deshalb angeschafft wurde, weil man mit dem Freund/Freundin und dessen/deren Kindern zusammenziehen wollte und entsprechend dimensioniert gemietet hat. Was tun, wenn der Mietvertrag im Vertrauen auf die Partnerschaft langfristig abgeschlossen oder sogar gekauft wurde? Wie schnell kann ein Nachmieter gefunden werden, wer trägt die Kosten der Wohnungsübergabe? Wer deckt den Verlust der Sparbücher, die als Kaution hinterlegt wurden und die nun für fällige Reparaturen etc. herangezogen werden? Wie gering scheint hier dann die drohende Vorauszahlungen für Gas/Strom, die nur deshalb ins Haus steht, weil jahrelang viel konsumiert wurde, nun aber nur noch ein Partner als zahlender Verpflichteter übrig bleibt? Klar – man kann die Vorauszahlungen herabsetzen lassen, aber viele finanzielle und organisatorische Stolpersteine müssen überwunden werden.

Ausser Spesen nichts gewesen?

Wie geht man mit künftigen Besuchsrechten um? Auch wenn der Patchwork-Vater/die Patchwork-Mutter nicht der leibliche Vater/die leibliche Mutter ist – Liebe (Erwachsene – Kinder, Kinder – Kinder) ist trotzdem gewachsen und es müssen neue Wege des Zusammenseins gefunden werden. Nur weil die Patchwork-Eltern sich nicht mehr verstehen, sollen sich die Patchwork-Geschwister nun nicht mehr nahe sein dürfen? Aufgrund eines Umzuges eine andere Schule besuchen müssen etc.? Im Rahmen einer Scheidung wird darauf geachtet, dass Kinder nicht getrennt werden. In Patchwork-Familien bleiben die Kinder üblicherweise bei den jeweils leiblichen Eltern – werden also getrennt. Welche zusätzliche Unterstützung gibt es und welche Vorkehrungen braucht es?
Alles nur eine Frage der Zeit – oder der Vereinbarung? Meist braucht es beides – MediatorInnen unterstützen gerne dabei. Auch bei im Vergleich einfacher scheinenden Trennungen ist Mediation eine hilfreiche und zielführende Methode, um künftig nachhaltige und faire Regelungen zu treffen.

Mag. Gerda Ruppi-Lang ist Selbständige Unternehmensberaterin,
Mediatorin und Trainerin.

Tel: 0699-11 44 20 90
Homepage: www.mediation.bz

weiters ist Ruppi-Lang:
Vorstandsmitglied www.mediation-ohne-barrieren.at
Initiatorin von www.elternteilzeit.at
Expertin bei www.sustainability-skills.at
Partnerin von www.kate-stuttgart.org

Themen

copyright  by pixelio.de

Rituale, Rituale,

lasst ihr Leute, lasst sie sein. » weiter…

copyright  pixelio.de

Scheidung: plötzlich ein neuer Alltag

Viele Frauen fallen nach einer Scheidung in ein tiefes Loch: Sie vermissen nicht den Mann, sondern das Leben mit ihm. Die Rituale, die Freunde, den Alltag - nach der Trennung ist plötzlich alles anders.
» weiter…

Schatten an der Wand. Gitti Moser by pixelio.de

Scheidungskind – was ist das?

Sie möchten wissen, wie sich das anfühlt – ein Scheidungskind zu sein?
» weiter…